eine chance für alle

Hannes Müller ist im Hockey groß geworden. Schon als kleiner Steppke stand er mit dem Schläger auf dem Platz, heute ist der 25-Jährige Nationalspieler. Mit der deutschen Auswahl gewann er 2023 den Weltmeistertitel, holte 2024 in Paris olympisches Silber und wurde 2025 Europameister. Seit seinem Wechsel vom Köthener HC zum Uhlenhorster HC 2016 ist Hamburg seine sportliche Heimat. Wir haben mit ihm über seinen Weg zum Hockey gesprochen, die Faszination Olympischer Spiele – und darüber, warum er sich die Spiele in Hamburg wünschen würde.

Text: Melina Glor

„Ich bin da einfach reingewachsen“, beschreibt Hannes Müller seinen Weg zum Hockey. Großvater, Vater und älterer Bruder spielten bereits – der Weg war also früh vorgezeichnet. Mit etwa drei Jahren begann er selbst. Eine längere Pause gab es nie, obwohl er sich auch in andere Sportarten verirrte: Handball zum Beispiel, vermittelt über seine Mutter. „Da merkt man schon, dass sich einiges überträgt, etwa beim Raumgefühl oder im Umgang mit dem Ball“, erklärt er.

Was ihn besonders fasziniert, ist die Dynamik des Mannschaftssports. „Freundschaften, Teamkultur, dieses gemeinsame Ticken – das ist in vielen Teamsportarten ähnlich. Aber Hockey war immer das, wobei ich geblieben bin.“ Mit 16 Jahren wechselte er dann von Köthen ans Sportinternat des Olympiastützpunktes nach Hamburg. An der Eliteschule des Sports konnte er 2019 sein Abitur abschließen. 2024 durfte Hannes Müller dann in Paris seinen olympischen Traum erleben. „Das ist das Größte, was man als Sportler erreichen kann. Olympische Spiele sind mit keinem anderen Turnier vergleichbar. Die Dimensionen, das Umfeld, die mediale Aufmerksamkeit – alles ist intensiver,“ beschreibt er das Erlebnis mit großer Begeisterung. Hinzu kommt der besondere Turnus. „Man arbeitet jahrelang darauf hin und weiß gleichzeitig, dass sich so eine Chance nicht automatisch wiederholt. Allein die Nominierung ist schon etwas Besonderes.“

Während Welt- und Europameisterschaften regelmäßig stattfinden, bietet sich die olympische Bühne nur alle
vier Jahre.

„Man weiss nie, ob man das noch einmal erleben darf.“

Daraufhin zu arbeiten, bedeutet vor allem Verzicht: „Etwa ein Jahr vorher ist man im Prinzip all-in“, sagt Müller. Training, Lehrgänge, Leistungsdiagnostik – alles ordnet sich dem großen Ziel unter. Im Alltag heißt das auch: Prioritäten setzen. „Wenn Freunde feiern gehen, ist man oft nicht dabei oder nur ohne Alkohol und bis zu einer bestimmten Uhrzeit.“ Gleichzeitig wachse mit der Belastung auch die Vorfreude. „Man weiß ja, wofür man es macht.“

Hannes Müller war auch Teil des Silberteams von Paris 2024

Eine zentrale Rolle spielte für ihn auf dem Weg zu den Spielen der Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein. “Hier erhalte ich eine umfassende Betreuung in wichtigen Bereichen abseits des Vereinstrainings“. Neben Kraft-, Sprint- und hockeyspezifischem Training profitiert er besonders von der physiotherapeutischen Betreuung. „Ich kann ein- bis zweimal pro Woche unkompliziert zur Physio gehen, ohne die Hürden, die man sonst im Alltag hätte.“ Hinzu kommt die Begleitung „drumherum“: Ernährungsberatung, die er vor einigen Jahren bewusst in Anspruch nahm, sowie die Unterstützung bei der Studien- und Karriereplanung. „Es geht nicht nur um das Training selbst, sondern um die gesamte Struktur.“ Die langfristige Planung reicht bereits bis 2028 – inklusive Turnierkalender und Kursabstimmung.

Und wie hält er die Spannung bis Los Angeles 2028 hoch? „Nach dem Gewinn der Silbermedaille ist die Motivation groß“, sagt Müller.

„Wenn man so nah dran war, will man beim nächsten Mal ganz oben stehen.“

Zudem sorge der dichte internationale Kalender im Hockey dafür, dass der Fokus nicht abreißt. Weltmeisterschaften, Europameisterschaften – inzwischen gebe es nahezu jedes Jahr ein großes Turnier. „Das hält die Spannung automatisch hoch.“

Natürlich blickt Hannes Müller auch gespannt auf die Bewerbung Hamburgs für Olympische und Paralympische Spiele – auch wenn Müller 2036, 2040 oder 2044 voraussichtlich nicht mehr aktiv dabei wäre, begeistert ihn die Möglichkeit, dass die Spiele nach Hamburg kommen könnten.
„Die Spiele im eigenen Land wären für Athletinnen und Athleten das Allergrößte“, sagt er. „Familie und Freunde könnten vor Ort sein, die Wege wären kurz, das Umfeld vertraut.“ Hamburg sieht er infrastrukturell gut aufgestellt: kurze Distanzen, vorhandene Sportstätten, eine sportbegeisterte Stadt. „Paris hat zuletzt gezeigt, dass große Sportereignisse in Europa erfolgreich organisiert werden können. Ich bin überzeugt, das können wir
hier auch.“

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Warum sollten die Hamburgerinnen und Hamburger beim Referendum am 31. Mai mit „Ja“ stimmen? Müller sieht viele positive Effekte: „Die Stadt würde eine starke Entwicklung erfahren, international sichtbarer werden. Und während der Spiele entsteht ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Viele erleben das zusammen – das ist das, was solche Spiele ausmacht. Es wäre großartig, die Spiele hier an der Alster zu erleben.“

Für Hannes Müller ist der Fokus nun zunächst auf Los Angeles gerichtet. Doch egal, wo die Spiele stattfinden: Die Faszination für den olympischen Gedanken, für Gemeinschaft und sportlichen Wettstreit, ist bei ihm ungebrochen.

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