„Mehr behinderte

Menschen

in den Sport

bringen“

Sportlerin des Jahres Jasmina Bier über den Para Sport

Hamburg bewegt

„Die ist eine absolute Maschine!“ Wenn Jasmina Bier hört, was Hamburgs männliche Ruderer ohne Behinderung über sie sagen, schmunzelt die 28-Jährige. Man kennt sich– ob Pararuderin oder Olympia-Athleten – schließlich nimmt man die gleichen Strapazen auf sich, auf der Trainingsstrecke auf der Dove-Elbe bei Sonnenaufgang oder im Kraftraum.

Text: Christoph Plass

Den Ruf als Maschine bestätigt Hamburgs Sportlerin des Jahres 2025 am Ruder-Ergometer. Im März hat sie sich dort den nächsten Weltrekord über 2000 Meter geholt. Es fehlen der Wahl-Hamburgerin, die aus dem kleinen Dörfchen Barrien in West-Niedersachsen stammt, dort nur noch ein Weltrekord, dann wäre sie alleinige Weltrekord-Halterin in ihrer Para-Klassifizierung und Altersklasse.

Dass die Neurobiologin, die gerade ein Zweitstudium der Sportwissenschaften gestartet hat, im Paralympics-Bereich gelandet ist, geht auf den 13. November 2018 zurück, als sie in ihrer damaligen Studienstadt Göttingen mit dem Fahrrad stürzte. Insbesondere das Knie nahm dabei erheblichen Schaden. Und die – wohl auch von den Ärzten zu spät angesetzten – Operationen brachten keine Besserung.

Jasmina Bier wurde zu Hamburgs Sportlerin des Jahres 2025 gewählt

Im Gegenteil: Jasmina lebt mit dauerhaften Schmerzen und kann außerdem das Knie nicht mehr weit genug beugen und strecken. Der Parasport war und ist seitdem ihre Leidenschaft. Durch die Einschränkung kann sie nicht auf den üblichen Rollsitzen rudern. Ihr Oberkörper leistet die meiste Arbeit im Boot. Mit ihrem Partner Paul Umbach (Nürtingen) ist sie seit zweieinhalb Jahren ein Team im Doppelzweier, das zur absoluten Weltspitze gehört.

Frisch zusammen im Boot verpassten sie die Qualifikation für die Paralympics 2024 noch um 1,5 Sekunden. Seitdem geht es ständig bergauf. Der Europameistertitel und die Vize-Weltmeisterschaft 2025 brachten Jasmina die Wahl zu Hamburgs Sportlerin des Jahres ein. Auch dieses Jahr greifen beide wieder bei EM und WM an. Doch richtig ernst wird es bei der WM 2027 in Luzern erst, wo es dieses Mal mit dem Paralympics-Startplatz für Los Angeles klappen soll. Insgesamt gibt es dafür nur acht Qualifikationsplätze und zwei Wild-Cards.

Die Wahl zu Hamburgs Sportlerin des Jahres hat ihr einige Türen geöffnet. „Ich muss inzwischen ab und an schauen, welche Termine ich wahrnehmen kann.“ Wünschen würde sie sich zusätzlich ein gewisses Sponsoreninteresse. „Es geht mir gar nicht unbedingt um monatliche Zahlungen. Besseres Material wäre schon großartig – und wenn es nur ein ergonomisches, statt des selbstgeschneiderten Sitzkissens ist!“

Mehr zu Jasmina Bier in der ersten Folge des gemeinsamen Podcast des High Performance Sport Instituts in Kooperation mit dem Team Hamburg

Eine Chance für alle