Was die

Spiele

bewirken

Wie Kiel dank der Spiele 1972 zum
Segelzentrum Deutschlands wurde

spiele für alle

Wenn eine Stadt Olympische oder Paralympische Spiele ausrichtet, wirkt das weit über die Wochen des Events hinaus. Kiel ist eines der besten Beispiele dafür, wie ein olympisches Erbe zu einem Motor für Sport, Stadtentwicklung und internationale Strahlkraft werden kann. Was 1972 mit den Segelwettbewerben begann, ist heute ein leistungsfähiges System aus Infrastruktur, Breitensport, Spitzensportförderung und Talentschmiede.

Text: Anne Gnauk / Petra Homeyer

Schilksee – nachhaltige Wirkung olympischer Infrastruktur

Für die Spiele 1972 entstand in Kiel nicht nur eine Sportstätte, sondern ein neuer Stadtteil. Schilksee erhielt eine moderne Marina, die Olympiabrücke wurde gebaut, der Autobahnanschluss A215 geschaffen. Die neue Infrastruktur machte den Norden Kiels attraktiv für Einheimische und Gäste. Der Sportboothafen – einer der größten an der Ostsee – wurde zum Herzstück des Quartiers und ist bis heute ein lebendiger Treffpunkt für Seglerinnen und Segler, Familien und Studierende.

Die olympischen Anlagen wurden über Jahrzehnte gepflegt und modernisiert. Bootsliegeplätze, Funktionsräume, Stege, Slipanlagen, Kräne und Hallen stehen bis heute in hoher Qualität zur Verfügung. Die Christian-Al-brechts-Universität richtete ein eigenes Segelzentrum ein, Vereine erhielten Räume für ihre Arbeit. Schilksee wurde zu einem Ort, an dem Nachwuchs, Freizeitsegler und Profis selbstverständlich nebeneinander trainieren – und zu einem verlässlichen Gastgeber großer Regatten wie der Kieler Woche, dem größten Segelevent der Welt.

Vom Breitensport zum Leistungszentrum

Die zunehmende Professionalisierung des Segelsports begann in den 1980er-Jahren. 1981 trat mit Thomas Dierck der erste hauptamtliche Trainer des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) seinen Dienst in Schilksee an.

Einer seiner Wegbegleiter war Achim Hantke, damals selbst Bundeskadersegler. 1985 wurde er Honorartrainer, 1988 fest angestellt. Damit entstand erstmals ein strukturiertes Leistungsangebot vor Ort. Kiel subventionierte die Nutzung der Räumlichkeiten und bewirtschaftete die Anlagen – ein klares Bekenntnis zum Leistungssport. Landes- und Bundeskader fanden nun verlässliche Trainingsbedingungen vor.

Der große Schritt: Internat, OSP-Außenstelle und Bundesstützpunkt

Den nächsten entscheidenden Schub brachte die Kieler Olympiabewerbung für 2012. Zwischen 2002 und 2004 entstand gemeinsam mit DSV, Kultusministerium, Landessportverband und Olympiastützpunkt ein Konzept für ein Sportinternat, das Schule und Hochleistungssport verbindet – ein zentraler Baustein im deutschen Nachwuchssystem. Ende 2004 sagten der Deutsche Sportbund und das Bundesinnenministerium Mittel für das „Haus der Athleten“ zu.

2006 wurde das Internat eröffnet. Die erste Bewohnerin: Moana Delle, spätere Olympiateilnehmerin. Ihr Weg steht exemplarisch für das Ziel des Hauses: Talente fördern, schulische Laufbahnen sichern und sportliche Spitzenleistungen ermöglichen.

Zwischen 2008 und 2013 wurde Schilksee weiter ausgebaut: zentraler Stützpunkt für das olympische Segeln, zusätzliche Trainerstellen, eine Außenstelle des Olympiastützpunktes mit Laufbahnberatung und eine Partnerschule des Leistungssports. Am 1. Januar 2013 erhielt Kiel schließlich den offiziellen Status als Bundesstützpunkt – der höchste Baustein der deutschen Spitzensportförderung.

Ein Erbe, das lebt

Kiel zeigt, was entsteht, wenn eine Stadt Olympia nicht als einmaliges Ereignis begreift, sondern als Startpunkt. Die Spiele 1972 haben ein Fundament gelegt, auf dem bis heute aufgebaut wird. Schilksee hat sich zu einem Ort entwickelt, an dem internationale Regatten stattfinden, Kinder ihre ersten Schläge im Opti machen, Bundeskaderathletinnen und -athleten trainieren und Talente wohnen, lernen und wachsen. Ein Ort, an dem die olympische Idee täglich gelebt wird.

Kiel hat aus Olympia nicht nur Erinnerungen gewonnen – sondern Zukunft.

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