Von der

Active City

zur

Olympiastadt

Spiele für alle

Wie Hamburg Bewegung, Verantwortung und Zukunft zusammenführt

Text: Denise Klink

Hamburg hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Sport, Bewegung und körperliche Aktivität sind sichtbarer geworden – im Stadtbild, in den Quartieren, im Alltag vieler Menschen. Mit der Active City Strategie hat Hamburg demonstriert, dass Sport mehr ist als Wettkampf oder Freizeitbeschäftigung. Er ist Gesundheitsvorsorge, Bildungsfaktor, Integrationsmotor und nicht zuletzt ein soziales Bindemittel in einer wachsenden, diversen Metropole.

Diese Haltung bildet heute das Fundament der Olympiabewerbung. Nicht als Bruch mit dem Bestehenden, sondern als Weiterführung eines Weges, den Hamburg bereits vor Jahren eingeschlagen hat. Die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ist damit weniger ein Versprechen auf Festivals des Spitzensports, sondern eine Einladung, über die langfristige Entwicklung der Stadt mitzuentscheiden.

Zwei ältere Männer und eine ältere Frau trainieren mit Therabändern im Park bei Sonnenschein

Bewegung als Teil des urbanen Alltags

Die Grundidee der Active City war von Beginn an inklusiv gedacht: Jeder Mensch soll Zugang zu Bewegung haben – unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen, Herkunft oder körperlichen Voraussetzungen. Daraus entstand ein ganzheitlicher Ansatz, der Sport nicht isoliert betrachtet, sondern z.B. in Stadtplanung, Bildung, Mobilität und Gesundheitsförderung integriert.

Neue Möglichkeiten für Bewegung im öffentlichen Raum, die Öffnung von Schulhöfen und Sporthallen, niedrigschwellige Angebote in Parks und Quartieren sowie die stärkere Verzahnung von Vereinen, Schulen und sozialen Einrichtungen haben diese Idee konkret gemacht. Sport findet nicht nur in den klassischen Einrichtungen des Sports statt, sondern überall dort, wo Menschen leben und wo sie sich treffen.

Besonders sichtbar wird dieser Ansatz im Parksport. Projekte wie die Parksportinsel Wilhelmsburg zeigen, wie Sport, Kultur und Nachbarschaft zusammenwirken können: offene Kurse ohne Zugangshürden, inklusive Angebote, generationsübergreifende Formate. Hier wird Bewegung zum sozialen Erlebnis – und genau darin liegt ihre gesellschaftliche Kraft.

Kinder und Jugendliche: Die eigentliche Legacy

Ob eine Olympiabewerbung nachhaltig wirkt, entscheidet sich nicht in Stadien oder Sporthallen, sondern im Alltag junger Menschen. Deshalb steht die „olympische Generation“ im Zentrum unserer langfristigen Planung.

Ein zentrales Ziel ist, jedem Kind im schulischen Kontext mindestens fünf Stunden Bewegung pro Woche zu ermöglichen. Drei Stunden davon sollen verbindlich im regulären Unterricht stattfinden, ergänzt durch zwei weitere Bewegungsangebote im Ganztag, die gemeinsam mit Sportvereinen umgesetzt werden. Gerade im Grundschulalter werden so motorische Grundlagen gelegt, die ein Leben lang wirken.

Darüber hinaus sollen Kinder frühzeitig individuell gefördert werden. Durch Screenings im Grundschulalter können Bewegungsdefizite ebenso erkannt werden wie sportliches Talent. Dann geht es darum,  gezielte Angebote zu machen – vom zusätzlichen Bewegungsprogramm bis zur weiterführenden Nachwuchsförderung.

Hamburg ist eine Stadt am Wasser. Und die Fähigkeit, zu schwimmen, ist gerade hier unverzichtbar. Unser Ziel ist, das jedes Hamburger Kind spätestens am Ende der Grundschulzeit sicher schwimmen kann. Kostenlose Schwimmlernangebote, ergänzende Wassergewöhnung bereits im Kita- und frühen Schulalter sowie Kooperationen mit Vereinen und Schwimmbädern sollen bestehende Lücken schließen. Schwimmen wird als elementare Lebenskompetenz verstanden, nicht als Zusatzangebot.

Auch die Kinderärztinnen und Kinderärzte und ihre Kompetenzen und Kenntnisse werden stärker eingebunden. Bewegungsförderung soll fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen werden – als Beratung für Eltern und als frühzeitige Sensibilisierung für die Bedeutung körperlicher Aktivität für die psychische und physische Verfassung ihrer Kinder.

Gruppe älterer Frauen beim Sport im Hamburger Eichtalpark mit Beachbanner „Parksport im Eichtalpark“
Gemischte Sportgruppe trainiert mit Therabändern im Park in Hamburg – barrierearmes Bewegungsangebot
Die Angebote des ParkSportInsel e.V. sind ein Beispiel, wie Bewegung barrierearm in der Stadt gelebt wird

Ehrenamt und Engagement als Rückgrat des Sports

Der organisierte Sport in Hamburg lebt entscheidend vom ehrenamtlichen Engagement Tausender. Die Bewerbung trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie gezielt auf Entlastung, Qualifizierung und Anerkennung setzt. Niedrigschwellige Qualifizierungsangebote sollen den Einstieg ins Ehrenamt erleichtern, ohne Qualitätsstandards aufzugeben – etwa durch polysportive Basisqualifikationen, die im Verein, in Schule oder Kita gleichermaßen anerkannt werden.

Gleichzeitig sollen digitale Lösungen helfen, Förderoptionen transparenter zu machen und Vereine bei Anträgen, Veranstaltungen und Infrastrukturfragen zu unterstützen. Eine zentrale Volunteer-Plattform kann künftig Engagement bündeln und sichtbar machen – auch über den Sport hinaus.

Inklusion, Teilhabe und barrierefreie Stadt

Eine glaubwürdige Olympiabewerbung muss zeigen, dass Teilhabe nicht nur mitgedacht, sondern konkret umgesetzt wird. Hamburg verfolgt deshalb das Ziel, die barriereärmste Großstadt Deutschlands zu werden. Das betrifft den gesamten öffentlichen Raum oder  Sportstätten, das betrifft aber auch Verkehr und Mobilität oder Orientierung und Information.

Von der Anreise über den Aufenthalt bis zum Erleben von Wettkämpfen und anderen Veranstaltungen sollen Menschen mit Behinderungen selbstverständlich teilhaben können. Viele der ins Auge gefassten Maßnahmen wirken unabhängig von Olympischen und Paralympischen Spielen und verbessern dauerhaft die Lebensqualität in der Stadt.

Infrastruktur, die bleibt

Auch infrastrukturell setzt Hamburg auf Maß und Nachhaltigkeit. Statt großflächiger Neubauten liegt der Fokus auf der Modernisierung bestehender Sportstätten, der punktuellen, temporären Schaffung neuer Anlagen dort, wo ein konkreter Bedarf besteht, sowie auf der Mehrfachnutzung von Flächen. Schulhöfe, Hallen und Freianlagen sollen nach Schulschluss offenstehen und so zu Bewegungsorten für die Quartiere werden.

Olympische und Paralympische Spiele wären in diesem Verständnis kein Endpunkt, sondern ein Beschleuniger: für Investitionen, die ohnehin notwendig sind, und für Strukturen, die langfristig tragen.

Das Referendum als Weichenstellung

Es geht also nicht allein um die Frage, ob Hamburg Olympische und Paralympische Spiele ausrichten will, sondern wie diese Spiele gedacht sind: nicht als Projekt von oben, sondern als Weiterentwicklung einer Stadt, die Bewegung, Gemeinschaft und Verantwortung ernst nimmt.

Die Active City hat gezeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn sie aus dem Alltag der Menschen heraus entsteht. Eine Olympiabewerbung, die darauf aufbaut, kann glaubwürdig sein. Eine Bewegung, die Wirkung entfaltet – weit über den Moment hinaus.

Ruderboot mit Team auf der Außenalster und Sportgruppe beim Yoga im Park – Active City Summer Hamburg
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