30 Sekunden die alles Entscheiden–Titel-30-2
BMX-Racer Louis Romeyke seitliches Portrait
BMX-Racer Louis Romeyke auf seinem BMX-Rad in Aktion
30 Sekunden die alles Entscheiden–Titel-30-2
BMX-Racer Louis Romeyke seitliches Portrait
BMX-Racer Louis Romeyke auf seinem BMX-Rad in Aktion
30 Sekunden die alles Entscheiden–Titel-30-outline-2

sekunden

– die alles

entscheiden

glanzpunkte

BMX-Racer Louis Romeyke trainiert hunderte Stunden, investiert tausende Euro und kämpft nach Stürzen auch mental. Alles in der Hoffnung auf Olympia und eine echte Olympiastrecke in Hamburg.

Text: Jonas Gampe

Kurz bevor Louis Romeyke auf seinem BMX-Rad den Starthügel runterrast, schließt er die Augen.
Im Kopf geht er die Strecke aus seiner Perspektive durch. Mehrmals. Außerdem visualisiert er, wie er ins Ziel fährt. Ohne Sturz, hoffentlich als Erster.

Louis Romeyke ist BMX-Racer.

Die Sportart ist seit 2008 olympisch. Acht Racerinnen oder Racer rasen 30 bis 40 Sekunden lang eine 300 bis 450 Meter lange Bahn entlang. 30 bis 40 Sekunden, in denen alles zählt. Gleich wird der 17-Jährige sich auf seinem Rad aufrichten, das Vorderrad leicht hochreißen, mit aller Kraft in die Pedale treten und den acht Meter hohen Startrügel herunterfahren. Beim Start ist Louis Romeyke einer der Besten. Anderthalb Jahre hat er daran gefeilt. Jede Woche verbringt er sechs bis acht Stunden auf der Bahn. Außerdem neun bis zwölf Stunden im Gym. Hunderte Stunden stecken in jedem Wettkampf. Da bleibt wenig Zeit, für das Abitur zu lernen: „unter der Woche habe ich eigentlich nie Freizeit“, so der Schüler.

Drei BMX-Racer springen über ein Hindernis, mittig Louis Romeyke im weißen Deutschlandtrikot vor Zuschauertribüne

Dazu kommen die tausenden Euro an Reisekosten, Startgebühr und Materialverschleiß. Zwei neue Reifen und sechs Schläuche braucht der Hamburger beispielsweise jeden Monat. Das Fahrrad selbst kostet 5.000 Euro. Rahmen und Lenker sind aus Carbon gefertigt. Für den Fall, dass eins kaputt geht, hat er immer zwei dabei.

All das für 30 bis 40 Sekunden Rennen. Die haben es dafür aber in sich. Die Rennen sind extrem intensiv. Bis zu 1.500 Watt tritt Louis im Rennen, vergleichbar mit 2 Pferdestärken. Bis zu sechs Sekunden kann er diese Spitzen halten. Dazu kommen die bis zu sechs Meter weiten Sprünge, 180° Kurven und natürlich die sieben anderen Fahrer, die ebenfalls mit hohem Tempo über die Strecke rasen.

Doch genau das ist es, was Romeyke reizt: „Man weiß vorher nie, was passiert. In den 30 Sekunden darfst du keinen Fehler machen.“
Aber jeder kleine Fehler sei dann auch die Möglichkeit, sich wieder zu verbessern. So geht es am Ende natürlich nicht nur um die 30 Sekunden im Rennen.

„Der Weg ist es ja auch, die Erfahrungen dahin, sich zu verbessern, nicht nur das Rennen selbst.“

Doch die Intensität der Rennen hat einen weiteren Preis: immer wieder kommt es zu Stürzen mit Verletzungen. Bei der Europameisterschaft im Sommer 2025 hat sich der Radsportler von der RG Hamburg das Daumenband gerissen. Drei Monate lang war er dadurch an das Wattbike gefesselt. Das Comeback erforderte nicht nur körperliche, sondern auch mentale Erholung.

„Man fühlt sich, als wäre man noch nie BMX gefahren.“

Dem Hamburger hilft dabei die Arbeit mit seinem Mentaltrainer.

Doch auch die Technik wieder zurück auf sein altes Niveau zu bekommen, erforderte viel Arbeit. Ein erheblicher Teil des Trainings findet dabei im Trainingslager statt. Die Strecken in und um Hamburg in Farmsen und Bispingen sind zwar gut, allerdings vor allem für Amateure geeignet. Der Starthügel ist mit 6 Metern zwei Meter kleiner als bei den olympischen Strecken, auch die Sprünge sind kürzer.

Das bedeutet natürlich zusätzlichen Aufwand für Romeyke und seine Familie. Seitdem der Racer in den Nationalkader aufgenommen wurde, darf er jedoch mit in die Trainingslager der Nationalmannschaft. Außerdem erhält er Förderung durch das TEAM HAMBURG. So kann er auch in den privat-organisierten Trainingslagern länger trainieren. Das entlastet die Familie.

Noch mehr Entlastung würde natürlich eine Olympiastrecke in Hamburg bedeuten, die aktuell noch fehlt. Das könnte sich durch die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ändern. Dann würde eine Olympiastrecke nach Hamburg kommen, hofft der Hamburger. Sein ganzer Sport könnte nachhaltig davon profitieren: „Das hat man auch in Paris gesehen. Dort haben die Franzosen die Medaillen gewonnen, weil der BMX-Sport vorher einen großen Boom erlebt hat.“

Louis Romeyke

Verein: RG Hamburg

Geburtstag: 20.06.2009

Im TEAM HAMBURG seit: 2025

Denn genau wie bei den 30 Sekunden im BMX-Racing geht es bei der Bewerbung nicht nur um die Olympischen und Paralympischen Spiele selbst, sondern auch um den Weg dahin und was sie mit sich bringen. Sollte es soweit kommen, will Romeyke natürlich auch selbst in seiner Heimat bei Sommerspielen antreten. 28 bis 36 wäre er dann wohl. Das könnte klappen: „Das wäre auf jeden Fall ein absoluter Traum.“

Erstmal hat der Racer aber die Olympischen Spiele in Brisbane im Blick: 2032 will er in Australien vom olympischen Starthügel rasen. Für dieses Jahr stehen auf dem Weg dorthin die Finals des Euro-Cups, die Junioren-EM und die deutsche Jugendmeisterschaft auf dem Programm.

Golfplatz der Golf Lounge Hamburg Moorfleet mit Blick auf Dove-Elbe, Norderelbe und Hamburger Skyline
Anzeige