Bei den Spielen vier Jahre zuvor in Mexiko wurde sie nicht nominiert – immer noch zu klein. Nach München durfte sie – zunächst als Ersatzläuferin – endlich mitfahren. Dafür gab es zuvor noch eine Leistungsüberprüfung in Zürich über 200 Meter Sprint. „Ich lief, trotz vorheriger muskulärer Probleme, in 23,9 Sekunden persönliche Bestzeit und bestätigte damit meine Nominierung für die Staffel.“
Und dann kam das größte Ereignis in ihrer sportlichen Laufbahn. „Leider durften wir bei der Eröffnungsfeier nicht dabei sein, weil das Stehen über mehrere Stunden nicht gut gewesen wäre für den Wettkampf, aber die Atmosphäre drum herum war großartig. Schon zum Frühstück traf man sich mit Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Nationen und setzte sich dorthin wo Platz war.“ Ein wildes Durcheinander von Sprachen und tollen Stimmungen. Die durch das furchtbare Attentat auf die israelische Mannschaft jäh unterbrochen wurde. „Wir selber hatten in der Nacht nichts mitbekommen und erst später von dem Ausmaß erfahren.“
Nach einer 34-stündigen Wettkampfpause beschloss das Olympische Komitee (IOC): „The games must go on!“ „So schrecklich das alles war“, denkt Inge Bödding zurück, „es war gut, dass die Spiele weitergingen, sonst hätten wir uns ja den Attentätern gebeugt.“
Trotz des großen Schattens über der Veranstaltung begann vier Tage nach der Entscheidung der Wettkampf für die deutsche Staffel. Eine gesetzte Läuferin kämpfte mit einer Muskelzerrung, Bödding bekam den Platz in der Staffel. „Den Vorlauf haben wir gut überstanden, im Endlauf war uns klar, dass wir gegen die Mädels aus der DDR keine Chance haben. Aber die Zuschauer haben uns zur Bronzemedaille getragen.“ Besonders Inge Bödding durfte sich über 50 lautstarke Niendorfer:innen freuen. „Die hatten sich bereits zwei Jahre vorher Plätze für ihre Zelte und Wohnwagen vor der Stadt reserviert. Der Lärm in der Kurve, wo sie saßen, hat mir Flügel verliehen, da kann man ja nur schneller laufen.“