Rekordjahr

Der Verband für Kickboxen engagiert sich seit Jahren mit seinen Vereinen bundesweit in verschiedenen sozialen Projekten.

Training

Kickboxen gehört zu den sogenannten Randsportarten und ist (noch) nicht im olympischen Programm vorgesehen. In vielen Ländern, auch in Deutschland, wurde Kickboxen lange eher mit Härte, Show, K.-O.-Kämpfen und „brutalem“ Kampfsport verbunden als mit klassischem Vereinssport. Dazu kam, dass die Sportart historisch zunächst außerhalb der traditionellen Sportverbandsstrukturen gewachsen ist und erst später stärker institutionell anerkannt wurde. Jetzt gibt es eine andere Entwicklung, die Akzeptanz in der Bevölkerung ist eine andere geworden.

Text: Andrea Marunde

Der Hamburger Kickbox-Verband hat im vergangenen Jahr einen Mitgliederzuwachs von 48,96 %, das sagen die aktuellen Mitgliederzahlen, die jährlich vom Hamburger Sportbund (HSB) erhoben werden. Aber nicht nur beim Kickboxen – überhaupt boomt der organisierte Sport in der Stadt: Über 621.000 Mitgliedschaften sind inzwischen in den 864 Sport-Vereinen und -Verbänden organisiert. Das ist ein sattes Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und sogar mehr als beim bisherigen Rekordjahr 2016.
Was das heißt? Ganz einfach: Immer mehr Hamburger*innen entscheiden sich für den Vereinssport – wollen wieder (oder erstmals) rein ins Team, in die Halle, auf den Platz – oder einfach unter Leute.

38.538 neue Mitgliedschaften – so viele wie noch nie

Besonders auffällig ist der Zuwachs in der Breite: 38.538 neue Mitgliedschaften wurden gemeldet. Ein Rekordwert. HSB-Vorstandsvorsitzender Daniel Knoblich bringt es auf den Punkt: „Diese Zahlen sind ein starkes Signal für den Hamburger Vereinssport. Wir erleben ein Rekordjahr mit so vielen Mitgliedschaften wie nie zuvor – das zeigt, wie groß die Bedeutung von Sportvereinen für Bewegung, Gemeinschaft und Zusammenhalt in unserer Stadt ist.“

Fußball ist nach wie vor als Sportart sehr beliebt

Nachwuchs? Läuft. Und zwar richtig.

Der Trend ist auch bei den Jüngeren deutlich: Bei den Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre steigt die Zahl der Mitgliedschaften auf 176.855 (6,06 Prozent) – ebenfalls ein neuer Höchststand. Wer also denkt, junge Menschen hätten nur noch Bildschirm-Sport im Kopf, wird hier freundlich korrigiert. Auch bei den weiblichen Mitgliedschaften geht’s weiter nach oben: 210.869 – so viele wie seit 2016 nicht mehr.

Die großen Zugpferde: HSV und St. Pauli

Dass das Wachstum so kräftig ausfällt, liegt auch an zwei Schwergewichten. Der Hamburger Sport-Verein meldet ein Plus von 24.835 Mitgliedschaften, der FC St. Pauli legt um 6.114 zu. Damit bleibt der HSV mit 136.242 Mitgliedschaften weiterhin Hamburgs größter Sportverein. Bei den Verbänden führt der Hamburger Fußball-Verband das Feld an: 241.432 Mitgliedschaften machen ihn zum mitgliederstärksten Landesfachverband im HSB.

Fans, Fördernde, Supporter*innen

Ein weiterer Trend steckt in der Mitgliederstruktur: Fans, Fördernde und Supporter*innen tragen inzwischen rund ein Viertel zum Gesamtbestand bei. Viele davon leben nicht in Hamburg – unterstützen aber „ihren“ Verein oder Verband und sorgen mit Mitgliedsbeiträgen dafür, dass Vereinsarbeit stabil und planbar bleibt. Auch rund 10 Prozent der Mitgliedsvereine sind gar nicht in Hamburg ansässig – spielen aber vor allem in Teamsportarten im Spielbetrieb der Hamburger Fachverbände mit. Der Hamburger Sport ist also längst auch ein bisschen „Metropolregion-Sport“. Schade nur, dass viele davon als Wähler*innen für ein JA für die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht infrage kommen.

Die Cheerleaderinnen vom HSV sind auch beim ATP-Tennis-Turnier am Rothenbaum aufgetreten

Kickboxen, Cheerleading und Fußball: die Aufsteiger

Nicht nur die Großen wachsen – auch prozentual gibt’s spannende Sprünge. Zu den stärksten Wachstumsraten unter den Landesfachverbänden zählen: Der Cheerleading und Cheerperformance Verband Hamburg: +25,59 %, der Hamburger Fußball-Verband: +15,15 % und der bereits erwähnte Hamburger Kickbox-Verband (WAKO). Woran das genau liegt kann dessen Präsident Helge Herold Lohmann gar nicht genau sagen: „Wir sind ein kleiner Landesverband mit etwa 40 Vereinen. Durch unsere offene Satzung können wir auch Mitgliedsvereine aus den umliegenden Bundesländern aufnehmen. Wir haben eine gute Jugendarbeit, decken Freizeit- und Leistungssport ab, haben immer ein offenes Ohr für die Mitglieder, investieren ehrenamtlich möglichst viel Zeit und versuchen in allen sozialen Medien stattzufinden.“ Die Ausrichtung von großen Turnieren für bis zu 900 Teilnehmer*innen trägt sicherlich auch zum Bekanntheitsgrad bei. Und der Gang an die Kindergärten und Schulen zeigt: „Auch viele Eltern sind an der Sportart für ihre Kinder interessiert, um, neben dem sportlichen Aspekt, auch das Selbstbewusstsein zu fördern.“ Das Sicherheitsbedürfnis ist größer geworden, auch Selbstverteidigung spielt eine Rolle. Ein Zeichen der Zeit?

Wachstum braucht Platz

So viel Rückenwind für den gesamten Sport bringt allerdings auch Aufgaben mit sich. Daniel Knoblich macht deutlich: „Ein wachsender Sport braucht wohnortnahe Sportflächen: Das gilt es verstärkt in den Blick zu nehmen, um die positive Entwicklung auch zukünftig fortführen zu können.“ Erfolgsgeschichte soll nicht am Platzmangel scheitern.

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