Interview mit
Achim Hantke

zur Entwicklung des Segelsports in Kiel und der Kraft Olympischer und Paralympischer Spiele

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für

Generationen

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Interview mit
Achim Hantke

zur Entwicklung des Segelsports in Kiel und der Kraft Olympischer und Paralympischer Spiele

Spiele für alle

Einer, der die Entwicklungen, die sich aus den Olympischen Spielen 1972 für Kiel und den Segelsport ergeben haben, intensiv erlebt und mitgestaltet hat, ist Achim Hantke (67). Er war Anfang der 1980er Jahre als Segler im Bundeskader und wurde anschließend Bundestrainer. Mehr als 30 Jahre war er im Deutschen Segler-Verband (DSV) in verschiedenen Funktionen tätig und hat die leistungssportliche Entwicklung am Standort Schilksee als Erbe der Olympischen Spiele, insbesondere auch im Nachwuchsbereich, maßgeblich begleitet und mitaufgebaut.

Text: Anne Gnauk

Einer, der die Entwicklungen, die sich aus den Olympischen Spielen 1972 für Kiel und den Segelsport ergeben haben, intensiv erlebt und mitgestaltet hat, ist Achim Hantke (67). Er war Anfang der 1980er Jahre als Segler im Bundeskader und wurde anschließend Bundestrainer. Mehr als 30 Jahre war er im Deutschen Segler-Verband (DSV) in verschiedenen Funktionen tätig und hat die leistungssportliche Entwicklung am Standort Schilksee als Erbe der Olympischen Spiele, insbesondere auch im Nachwuchsbereich, maßgeblich begleitet und mitaufgebaut.

Welche Erinnerungen hast du an die Spiele 1972 in Deutschland?

Ich bin 1958 geboren und in Saarbrücken aufgewachsen. Mein Bezug zum Sport war 1972 noch gar nicht da. Ich habe erst 1973 mit dem Segeln begonnen und einen Segelkurs in den Ferien in Lothringen gemacht. Der Segelsport hat mich dann gepackt und meine Mutter hat mir kurze Zeit später einen Bildband von den Spielen 1972 geschenkt. Dort habe ich die Bilder vom Segeln gesehen und gespürt, das war eine Wahnsinnssache. Von da an wollte ich unbedingt nach Kiel, dort segeln und auch an den Olympischen Spielen teilnehmen. Mir war klar, dass das ein enormer Weg ist, ich wollte aber unbedingt dranbleiben. 1978 habe ich dann an der Kieler Woche teilgenommen und belegte direkt den 6. Platz. 1980 habe ich dort gewonnen, wurde in den Bundeskader aufgenommen und gehörte der Sportfördergruppe an. Leider musste ich meine Leistungssportkarriere in den Folgejahren aufgrund von Rückenproblemen beenden. Ich bin sehr dankbar, dass ich dann den Weg als Trainer einschlagen konnte und als verantwortlicher Bundestrainer den Traum von Olympischen Spielen erleben durfte.

Wie hast du in deiner aktiven Zeit von der Infrastruktur profitiert, die mit den Olympischen Spielen 1972 in Kiel entstanden ist, und was hat sich danach in Kiel weiterentwickelt?

Mit den Olympischen Spielen 1972 in Kiel wurde der Grundstein für eine professionelle und langfristige Entwicklung des Segelsports gelegt. Die entstandene Infrastruktur eröffnete neue Möglichkeiten und lockte Leistungssportler:innen von überall her an, so auch mich. Davon habe ich schon als Aktiver profitiert, da viele professionelle Segler:innen hier zusammenkamen und ein intensiver Wissenstransfer entstand.

Seglerische Leistung ist nicht objektiv messbar; sie zeigt sich erst im direkten Vergleich mit anderen Booten. Es braucht also eine starke Trainingsgruppe, um langfristig zur Weltspitze zu gehören.

Um diese Voraussetzungen zu schaffen, wurde das Olympiazentrum Kiel nach den Spielen über Jahrzehnte systematisch weiterentwickelt.

Wie sah diese systematische Entwicklung konkret aus?

In den 1980er Jahren fehlten noch entscheidende Strukturen für den Nachwuchs. Es gab zwar Vereinstraining im Optibereich, aber selten in den vorolympischen Bootsklassen, die die Jugendlichen auf die olympischen Klassen vorbereitet haben. Hauptamtliche Trainer waren eine Ausnahme. Gemeinsam mit dem Landesverband Schleswig-Holstein haben wir in Schilksee die Arbeit der Vereine unterstützt und vereinsübergreifendes Nachwuchstraining organisiert.

Als Bundestrainer habe ich dann ab 1992 die Strukturen für eine systematische Ausbildung des Nachwuchses für den Anschluss an den Bundeskader etabliert, damit die besten Nachwuchssegler Deutschlands gemeinsam trainieren. Seitdem sind diese regelmäßig zu Kooperationseinheiten auf dem Olympiarevier.

Mit der Zentralisierung der Bundeskader entstand in den 2000er Jahren der Bundesstützpunkt Segeln in Schilksee und die Außenstelle des Olympiastützpunkts. Ein weiterer Meilenstein war 2006 die Eröffnung des Sportinternats in Schilksee. Seither können Talente hier vor Ort Leistungssport und Ausbildung optimal verbinden.

Die Spiele in Kiel haben die Grundlage für die heutige Infrastruktur der Vereine an der Außenförde geschaffen – ohne diese Strukturen wäre der Bundesstützpunkt Segeln hier vermutlich nie entstanden. Jetzt gibt es ein starkes und nachhaltiges Leistungs- und Fördersystem, das Olympioniken hervorbringt und den Segelsport bis heute trägt.

Olympische Eröffnungsfeier 1972 in Kiel-Schilksee am Wasser mit Zuschauern, Delegationen und olympischer Flagge
Auch in Kiel fand eine Eröffnungsfeier statt, direkt am Wasser in Schilksee

Wie beurteilst du die Wirkung der Spiele von 1972 jetzt mehr als 50 Jahre später?

Dadurch, dass die Segelwettbewerbe hier stattgefunden haben, ist das Olympische Flair nach Kiel gekommen. Und mit den weiteren Bewerbungen um Olympische und Paralympische Spiele war dieser Geist und die Bewegung, die dahintersteht, für jede Generation präsent und beeinflusst die Sportentwicklung in der Region bis heute positiv. Olympisches Segeln gehört in Kiel dazu. Viele Kinder und Jugendliche wachsen mit dem Segelsport auf und können sich in etablierten Vereins- und Verbandsstrukturen entwickeln. Das wäre ohne die Spiele vor 50 Jahren so nicht möglich gewesen und wirkt bis heute nach. Die Spiele waren für Kiel nicht einfach ein historisches Ereignis, sondern sind Teil der Identität der Stadt geworden.

Was könnte die erneute Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele für Deutschland und den Sport bewirken?

Diejenigen, die jetzt ihre ersten Schritte im Nachwuchsleistungssport gehen und in den Vereinen und Verbänden ausgebildet werden, hätten die Chance, an Spielen im eigenen Land teilzunehmen. Das ist nicht nur für die Sportler:innen eine riesige Motivation, sondern würde auch für den gesamten Sport einen starken Schub auslösen und Kräfte freisetzen – bei jungen Athlet:innen, bei Verbänden, bei der Politik. Der Sport und die Infrastruktur würden sich noch einmal weiterentwickeln und für die kommenden Jahrzehnte profitieren, wie es nach 1972 in Kiel der Fall war. Die Spiele im eigenen Land sind ein Generationenprojekt – und ein Generationenmotor.

Was war dein persönlicher olympischer Moment, der dir die Kraft der Spiele verdeutlicht hat?

Die Eröffnungsfeier 1988 in Seoul. Mit der gesamten Nationalmannschaft und all den anderen Nationen ins Stadion einzulaufen, war ein unglaublicher Moment. Man hat die immense Kraft gespürt, die Sport als Gemeinschaft und für den Zusammenhalt hat. Und auch während der Spiele mit Sportler:innen anderer Sportarten in Kontakt zu kommen, war sehr inspirierend – ich saß damals mit Steffi Graf im Olympischen Dorf und wir haben uns einfach ausgetauscht über unseren Sport und die Zeit bei den Spielen. Solche Begegnungen zeigen, was Olympia wirklich ausmacht.

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